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Tipps zu An- und Umbauten am Motorrad

Wohl am häufigsten greifen Motorradfans zu anderen Lenkern, die im Zubehörhandel in allen Formen, Größen und Preisklassen zu bekommen sind. Besonders beliebt sind derzeit die flachen und breiten „Drag-Bars“ für Chopper und Cruiser. Aber auch Superbike-Lenker, die bei Sportmaschinen an Stelle der Stummellenker eine aufrechtere Sitzposition und damit vor allem im Stadtverkehr etwas Entlastung für die Handgelenke bringen, sind in Mode.

„Für solche Modelle gilt wie für jeden anderen Lenker: Beim Kauf muss unbedingt darauf geachtet werden, dass ein sogenanntes Teilegutachten mitgeliefert wird. Sonst ist die zwingende Anbauabnahme durch einen Prüfingenieur einer Überwachungsorganisation nicht möglich“, betont Dipl.-Ing. Stefan Dobler von der Dekra. Im Klartext: Wer mit einem nicht eingetragenen Lenker fährt, ist ohne Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz unterwegs...
Aus der Praxis der Eintragungen weiß der ADAC-Vertragssachverständige Dipl.-Ing. Franz Nowakowski, Leiter der Dekra-Niederlassung München, dass auch beim Wechsel von Sitzbänken entsprechende Nachweise für eine Anbauabnahme nach StVZO-Paragraph 19.3 oft fehlen:


„Generell muss zudem darauf geachtet werden, dass die Originalaufnahmen der Seriensitzbank benutzt werden müssen.“ Dies gilt von „Sofa“- und Stufen-Sitzbänken bis hin zum mit Hartschaum überzogenen „Brett“ für Supersport-Bikes.

Wenn bei einem Motorrad mit Zwei-Mann-Zulassung eine neue Sitzbank montiert wird, die kürzer als 600 mm ist, verweist Franz Nowakowski auf eine oft vergessene Pflicht: „In diesem Fall muss ein Sitzplatz aus den Fahrzeugpapieren ausgetragen werden.“
Eine Abnahme ist auch bei nachträglichem Anbau oder Veränderung von Windschildern vorgeschrieben, die besonders bei Fahrern von Enduros, Cruisern und „Naked bikes“ beliebt sind.

Neben dem Teilgutachten, das seriöse Hersteller mitliefern, ist auch der fachgerechte Anbau wichtig. „Die Bedienelemente müssen nach wie vor gut erreichbar sein. Lichttechnische Einrichtungen dürfen nicht verdeckt werden. Außerdem darf sich das Fahrverhalten nicht allzu sehr verschlechtern“, zählt Nowakowski auf.

Sein wichtiger, zusätzlicher Rat: „Jeder Fahrer sollte sich im Fachhandel nach seinen Körpermaßen individuell beraten lassen. Zu hohe oder zu niedrige Windsschilder können durch unangenehme Verwirbelungen hinterm Schild - insbesondere auf Helm-Höhe - die Fahrfreude stark trüben.“

Auch wer Scheiben an Motorrädern mit Voll-, Halb- oder Lenkerverkleidung gegen ein Zubehör-Exemplar tauscht, sollte wegen der Abnahmepflicht aufs entsprechende Prüfzeichen achten. Nachträglich angebaute Verkleidungen spielen heute kaum mehr eine Rolle, der Ersatz von Serienverkleidungen ist dagegen weit verbreitet. Laut den Dekra-Motorradexperten gibt es zwei Hauptbeweggründe:

Kostenersparnis bei Zubehörverkleidungen als Ersatz für durch Sturz ramponierte Serienprodukte oder Gewichtsreduzierung (z.B. durch Kohlefaser) und Verbesserung der Aerodynamik im Sportbereich.

Neben der Abnahmepflicht, für die es ein Teilegutachten braucht, muss auf den mindestens geforderten Lenkeinschlag von 30 Grad und den richtigen Anbau geachtet werden.

„Eine falsche Montage kann über Luftverwirbelungen im Hochgeschwindigkeitsbereich extreme Unruhen ins Fahrwerk einleiten oder durch starken Auftrieb gar zur Unlenkbarkeit führen“, betont Motorrad-Experte Stefan Dobler. Bei Zubehör-Gepäcksystemen, durch deren Träger Rücklicht, Blinker und Nummerntafel nicht verdeckt werden dürfen oder letztere versetzt werden müssen, wird aus ähnlichen Gründen meist ein Maximal-Tempo empfohlen.
Mit der Begründung, Fahrer oder Beifahrer würden durch eine Sissybar im Falle eines Unfalles am rechtzeitigen Verlassen des Motorrads gehindert, führte der Anbau solcher „Rückenlehnen“ bis vor kurzem unweigerlich zu Strafzetteln durch die Polizei.

„Dies gilt bei fest verschraubten Lehnen nach wie vor. Ist die Sissybar allerdings beispielsweise mit Rändel- oder Flügelschrauben befestigt, so dass sie sich ohne Werkzeug mit bloßen Händen vom Motorrad lösen lässt, gilt sie als loses Zubehör, für das keine Anbauabnahme erforderlich ist“, erklärt Dipl.-Ing. Franz Nowakowski den entscheidenden Unterschied.

Wer weitere Fragen zu Motorrad-Anbauten und deren spätere Abnahme hat, kann sich bei den Dekra-Motorradexperten beraten lassen.


 

 


 

 

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